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09.09.2010 | ||
| Katholische Pfarrgemeinde Rosenkranzkönigin | |||
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| Jugendgottesdienst am 29. März 1998 Thema: Spuren der Barmherzigkeit |
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Eingangslied (Nr. 87, Meinst Du wirklich, es genügt) Begrüßung Ich begrüße Sie alle recht herzlich zu unserem Jugendgottesdienst. Der heutige Passionssonntag ist Misereortag. Dieser Tag soll daran erinnern, daß es immer noch sehr viel Elend und Leid gibt in unserer Welt. Und das betrifft nicht nur Menschen in ärmeren Ländern. Das kann auch der Nachbar von nebenan sein, dem es schlecht geht und der unsere Hilfe braucht. "Misereo" - das kommt aus dem Lateinischen und heißt "ich erbarme mich". Viele unserer Mitmenschen bedürfen unseres Erbarmens. Sie sind darauf angewiesen, daß sich jemand Ihrer Not annimmt. Deswegen heißt unser Thema heute Spuren der Barmherzigkeit. Kyrie Immer wieder begegnet uns Unglück und Leid in unserem täglichen Leben; doch oft wollen wir nicht hinsehen und verschließen unsere Augen vor der Not unserer Mitmenschen. - Herr, erbarme Dich. Manchmal bedenken wir arme Menschen mit kleinen Gaben oder Spenden; damit wollen wir gerne unser Gewissen beruhigen; aber wirkliche Barmherzigkeit muß von Herzen kommen und die schenken wir nur sehr selten. - Christus, erbarme Dich. Wir können in dem Vertrauen leben, daß Du, Herr, uns Dein Erbarmen schenkst und Dich unser annehmen wirst. Doch viel zu oft nehmen wir diese Deine Barmherzigkeit völlig gedankenlos hin, ohne auch nur mal ein bißchen dankbar zu sein. - Herr, erbarme Dich. Tagesgebet Allmächtiger, ewiger Gott, Du hast uns aufgetragen, einander zu lieben. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen. Lesung Mein Stock Mein Stock hängt an einer Lederschlaufe neben der Tür. Viele Stöcke hängen da, denn ich komme selten von einer Reise zurück ohne mir einen tüchtigen Stecken mitzubringen. Der Stock, von dem ich eigentlich reden wollte, der mit der Lederschlaufe, kam auf seltsame Weise in meinen Besitz. Es ist keine rühmliche Geschichte. Einmal im Winter, an einem stürmischen Abend, klopfte es noch an die Tür. In solchen Zeiten lasse ich gern das Licht vor dem Haus brennen, damit mir die Nacht nicht zu nah an die Fenster kommt. Nun ging ich also verdrossen, um nach diesem späten Gast zu sehen. Der Wind riß mir gleich die Klinke aus der Hand, Treibschnee fegte in den Flur. Ein verteufeltes Wetter. Draußen stand ein alter Mann auf den Stufen, ich kannte ihn. Er kam oft vorüber, klopfte und hielt mir die Hand entgegen. Nie sagte er ein Wort des Grußes oder des Dankes, er sah mich nur an mit seinen wässerigen Trinkeraugen, und ich gab ihm, was mir eben einfiel, ein Ende Wurst oder etliche Groschen aus der Hosentasche. Über der Schulter trug er einen Stock und daran hing ein Sack. Aber was mich jetzt ärgerte, war sein kahler Kopf, es lag ihm wahrhaftig schon Schnee auf dem Schädel. Da nahm ich meine wollene Haube vom Haken, und ein wenig schwankte der Alte, als ich ihm die Mütze über die Ohren zog. Und dann ging er wortlos davon, wie die leibhaftigen guten Werke. Das aber war der Augenblick, in dem ich mich hätte besinnen müssen. Ich hätte an die rückwärtige Kammer denken sollen, o ja, ich dachte auch daran. Dort stand ein leeres Bett bereit. Tisch und Stuhl für einen Gast, und es war warm und behaglich in dieser Stube. Es gab auch noch Suppe in der Küche oder ein Butterbrot, und eine halbe Flasche Bier auf dem Fensterbrett. Aber zugleich dachte ich an mein sauberes Haus. Und daß dieser Kerl hereintappen würde, naß und dreckig und weithin nach Branntwein stinkend. Wie er seine Fetzen auf den gewachsten Boden fallen ließe und unter das frische Leintuch kröche, mitsamt seinem Grind und seinen Läusen. Und da schlug ich die Tür zu und ließ das ganze Unbehagen draußen, Sturm und Kälte und alles miteinander. Zwei Tage später kam der Totengräber und zeigte mir einen Stock, eine großartige Arbeit, aus Nußbaumholz geschnitzt. Den Knauf bildete ein bärtiger Kopf. Und aus den Astknoten sahen lauter Gesichter, alle mit offenen Mündern, als schrien sie aus dem Holz. Ob ich das Ding etwa kaufen wollte? fragte der Mann. Er habe nun doch diesen Alten eingraben müssen, eine Schinderei in dem gefrorenen Boden, und nichts dafür zu lösen. Gut, ich nahm den Stecken für ein anständiges Geld. "Mach ihm auch ein Kreuz auf das Grab", sagte ich. "Wann ist er denn gestorben?" ,,Gestorben eigentlich nicht", sagte der Totengräber, ,,erfroren". Ich muß noch etwas hinzufügen, nur für mich, es soll niemanden beschweren. Das Böse, das wir tun, wird uns Gott vielleicht verzeihen. Aber unverziehen bleibt das Gute, das wir nicht getan haben. Zwischengesang (Nr. 43, Hilf, Herr, meines Lebens) Evangelium (Joh. 7,53 - 8,11, Jesus und die Ehebrecherin) Predigt Glaubensbekenntnis Fürbitten (Wir antworten auf die Fürbitten mit: "Wir bitten Dich, laß uns Spuren der Barmherzigkeit legen.") Wir sind oft schwach und gehen meist den einfach Weg, obgleich wir wissen, daß wir Deinen Spuren des Erbarmens folgen sollen. Gott, unser Vater, höre die Bitten, die wir heute zu Dir tragen, damit wir durch Dich immer auf diesen Spuren bleiben. 1.) Spuren des Erbarmens sind in unserer Gesellschaft oft finanzieller Art. Hilf uns, daß wir auch mal ohne Geld die Pfade und Wege der Barmherzigkeit finden. 2.) Für manchen von uns, ist es schwer, Spuren des Erbarmens zu finden. Hilf diesen Menschen, daß sie ein Vorbild finden, dem sie nachfolgen können.
Gabenbereitungslied (Nr. 91, Nimm, oh Herr, die Gaben, die wir bringen) Gabengebet Sanctuslied (Nr. .., Heilig, ja heilig) Vaterunser Friedensgruß kommt noch von Andrea Kommunion Lied nach der Kommunion (Nr. 124, Wo das Reden Mut verlangt) Schlußgedanke Von der Rose... Von Rainer Maria Rilke gibt es eine Geschichte aus der Zeit seines ersten Pariser Aufenthalts. Gemeinsam mit einer jungen Französin kam er um die Mittagszeit oft an einem Platz vorbei, an dem eine Bettlerin saß, die um Geld anhielt. Ohne zu irgendeinem Geber je aufzusehen, ohne ein anderes Zeichen des Bittens oder Dankens zu äußern als nur immer die Hand auszustrecken, saß die Frau immer am gleichen Ort. Rilke gab nie etwas; seine Begleiterin gab häufig ein Geldstück. Eines Tages fragte die Französin verwundert nach dem Grund, warum er nichts gebe, und Rilke gab ihr zur Antwort: ,,Wir müßten ihrem Herzen schenken, nicht ihrer Hand." Wenige Tage später brachte Rilke eine eben aufgeblühte weiße Rose mit, legte sie in die offene, abgezehrte Hand der Bettlerin und wollte weitergehen. Da geschah das Unerwartete: Die Bettlerin blickte auf, sah den Geber, erhob sich mühsam von der Erde, tastete nach der Hand des fremden Mannes, küßte sie und ging mit der Rose davon. Eine Woche lang war die Alte verschwunden; der Platz, an dem sie vorher gebettelt hatte, blieb leer. Vergeblich suchte die Begleiterin Rilkes eine Antwort darauf, wer wohl jetzt der Alten ein Almosen gebe. Nach acht Tagen saß plötzlich die Bettlerin wieder wie früher am gewohnten Platz. Sie war stumm wie damals, wiederum nur ihre Bedürftigkeit zeigend durch die ausgestreckte Hand. ,,Aber wovon hat sie denn all die Tage, da sie nichts erhielt, nur gelebt ?", fragte die Französin. Rilke antwortete: ,,Von der Rose." Schlußgebet: kann sich evtl. noch ändern (Lesejahr A, 24. Sonntag im Jahreskreis) Herr, unser Gott, Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen. Schlußlied (Nr. 45, Kleines Senfkorn Hoffnung) |
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