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MAK-Wochenende
Jugendgottesdienst am 20. September 1998
Thema: Der Feind des Menschen ist er selbst

Lied: Eingangslied

Einleitung: Video mit verschiedenen Sequenzen aus den Nachrichten

 

Meditativer Text (S. 20/1 BddS)

Eine Minute Schweigen, und danach sage ich euch, wem sie gilt.

Oder wäre eine Minute Protest besser?

Sie gilt nicht den Toten und auch nicht der ermordeten Unschuld.

Sie gilt den Lebenden, die doch umsonst sterben.

Denen, die leiden und deren Schmerz keine Zukunft hat.

Denen, die arbeiten und dennoch Hunger schieben.

Denen, die in Gefängnissen und Fabriken sich nach dem Sonnenstrahl der Freiheit sehnen.

Dem Einsamen, der in der Menge vergeblich nach einem Freund sucht.

Denen, die kein Dach über dem Kopf haben und die tagtäglich bang darauf hoffen, daß die Sonne für alle scheint.

Der armseligen Nutte, die von allen verurteilt wird.

Denen, die nichts besitzen, nicht einmal einen Meter Erde für ihr Grab.

Denen, die Angst vor dem Leben haben.

Denen, die hassen und töten und nicht wissen, warum sie es tun.

Denen, bei denen in ihrem brutalen Vorgehen noch eine schwache Sehnsucht nach Liebe zwischen den Menschen zittert.

Den Gedemütigten, deren einzige Würde in der kalten Klinge ihrer Dolche aufzuckt.

Den Atomwissenschaftlern, die die tödliche Formel im chemischen Labor entdecken und die in Hochstimmung den Sieg des Geistes feiern.

Kurzum ... ein Gebet für alle: für dich, für mich, damit die Tyrannei des Leids und des Kerkers ein Ende finde, und damit wir schon in diesem Leben jene Glückseligkeit genießen, die du uns für das nächste Leben versprichst.

 

"Lied": kurzes Musikstück

Kyrie (S. 137, Mit Zeichen und Symbolen)

Sag, wo sind die Blumen geblieben, die Blumen, die uns fröhlich machen? Sind sie erstickt und gestorben unter der Lawine von Haß und Gewaltnachrichten, von Mord- und Skandalgeschichten?

Herr erbarme dich.

Sag, wo sind die Blumen geblieben, die Blumen der Liebe und der kleinen Aufmerksamkeiten? Sind sie eingegangen, weil wir gedankenlos und egoistisch dahinleben? Sind sie verkümmert, weil wir gereizt sind und nachtragend? Wurden sie zertreten im kalten Krieg der Rechthaberei?

Christus erbarme dich.

Sag, wo sind die Blumen geblieben, die Anerkennung und Leben schenken, die uns schöne Geschichten erzählen von einem Stückchen Himmel auf Erden, wo alle Angst aufhört, wo das Leid vergeht und wo Menschen füreinander blühen wie Blumen?

Herr erbarme dich.

 

Lied: Gloria

Tagesgebet (S. 20/1 BddS)

Guter Gott,

du hast die Welt gut geschaffen und uns Menschen in die Hand gelegt, damit wir uns um sie kümmern.

Schenke uns einen wachen Blick für alles, was die Welt zerstört und unser Leben bedroht, damit wir unsere ganze Kraft dagegen einsetzen. Laß unser Auge auch offen sein für alles Schöne um uns, das uns immer wieder Freude macht.

Darum bitten wir durch Christus unseren Herrn. Amen.

 

Lesung (S. 159 BddS)

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde. Aber nach vielen Jahrmillionen war der Mensch endlich klug genug. Er sprach: Wer redet hier von Gott? Ich nehme meine Zukunft selbst in die Hand. Er nahm sie, und es begannen die letzten sieben Tage der Erde.

Am Morgen des ersten Tages beschloß der Mensch, frei zu sein und gut, schön und glücklich. Nicht mehr Ebenbild eines Gottes, sondern ein Mensch. Und weil er etwas glauben mußte, glaubte er an die Freiheit und an das Glück, an Zahlen und Mengen, an die Börse und an den Fortschritt, an die Planung und seine Sicherheit. Denn zu seiner Sicherheit hatte er den Grund zu seinen Füßen gefüllt mit Raketen und Atomsprengköpfen.

Am zweiten Tag starben die Fische in den Industrieabwässern, die Vögel am Pulver aus der chemischen Fabrik, das den Raupen bestimmt war, die Feldhasen an den Bleiwolken von der Straße, die Schoßhunde an der schönen roten Farbe der Wurst, die Heringe am Öl auf dem Meer und an dem Müll auf dem Grund des Ozeans. Denn der Müll war radioaktiv.

Am dritten Tag verdorrte das Gras auf den Feldern und das Laub an den Bäumen, das Moos an den Felsen und die Blumen in den Gärten. Denn der Mensch machte das Wetter selbst und verteilte den Regen nach genauem Plan. Es war nur ein kleiner Fehler in dem Rechner, der den Regen verteilte. Als sie den Fehler fanden, lagen die Lastkähne auf dem trockenen Grund des schönen Rheins.

Am vierten Tag gingen drei von vier Milliarden Menschen zugrunde. Die einen an Krankheiten, die der Mensch gezüchtet hatte, denn einer hatte vergessen, die Behälter zu schließen, die für den nächsten Krieg bereitstanden. Und ihre Medikamente halfen nichts. Die hatten zu lange schon wirken müssen in Hautcremes und Schweinelendchen. Die anderen starben am Hunger, weil etliche von ihnen den Schlüssel zu den Getreidesilos versteckt hatten. Und sie fluchten Gott, der ihnen doch das Glück schuldig war. Er war doch der liebe Gott!

Am fünften Tag drückten die letzten Menschen den roten Knopf, denn sie fühlten sich bedroht. Feuer hüllte den Erdball ein, die Berge brannten, die Meere verdampften, und die Betonskelette in den Städten standen schwarz und rauchten. Und die Engel im Himmel sahen, wie der blaue Planet rot wurde, dann schmutzig braun und schließlich aschgrau. Und sie unterbrachen ihren Gesang für zehn Minuten.

Am sechsten Tag ging das Licht aus. Staub und Asche verhüllten die Sonne, den Mond und die Sterne. Die letzte Küchenschabe, die in einem Raketenbunker überlebt hatte, ging zugrunde an der übermäßigen Wärme, die ihr gar nicht gut bekam.

Am siebten Tag war Ruhe. Endlich. Dir Erde war wüst und leer, und es war finster über den Rissen und Spalten, die in der trockenen Erdrinde aufgesprungen waren. Und der Geist des Menschen irrlichterte als Totengespenst über dem Chaos. Tief unten aber, in der Hölle, erzählt man sich die spannende Geschichte von dem Menschen, der seine Zukunft in die Hand nahm, und das Gelächter dröhnte hinauf bis zu den Chören der Engel.

Lied: Zwischengesang

Evangelium (Markus 13, 31-37)

Predigttrialog

Erster: Wachen, wachen. Das geht doch gar nicht. Überall in der Bibel steht ständig "Wachet!". Hat Jesus nicht auch zu seinen Jüngern am Ölberg gesagt: "Wachet und betet!" und hat sie angeschnautzt, daß sie eingeschlafen sind. Man kann doch nicht ständig wach bleiben. Irgendwann muß man ja mal schlafen.

Pfarrer:

Zweiter: Ja, den Unterschied zwischen wach sein und wachsam sein, den check ich jetzt. Aber in dieser Story aus der Bibel, die du gerade gelesen hast, fand ich schon komisch, warum Jesus nicht einfach das Datum gesagt hat, an dem das Ende der Welt kommen soll? Es gibt doch so viele Sektenführer, die da anscheinend mehr wissen. Wieso wußte Jesus das nicht oder warum hat er es nicht verraten? Der hat doch sonst auf jede Frage eine Antwort gewußt! Oder ist das ganze Weltuntergangsszenario ein riesiges Täuschungsmanöver, um den Menschen Angst vor der Welt, vor Gott und vor sich selber einzujagen?

Pfarrer:

Erster: Gott will also dem Menschen sicherlich eine Chance geben, etwas Großartiges aus seinem Leben zu machen. Aber hätte er das nicht irgendwie anders, vielleicht sogar besser machen können? Ich meine, es gibt so viele Möglichkeiten, wo wir uns selber das Leben zur Hölle machen können: Mit Atombomben, Raketen und Panzern führen wir Krieg gegeneinander, mit Giften, Müll und Großstädten zerstören wir die Umwelt und mit Folter, Drogen, Gewalt und Haß geben wir uns schließlich den Rest. Wenn dieser Gott uns irgendwie ins Leben gerufen hat, warum hat er uns dann so gemacht, daß wir die Freiheit und die Fähigkeiten dazu haben, solch schreckliches Zeug zu produzieren?

Pfarrer:

Zweiter: OK, das ist schon klar. Aber dann ist da noch die Sache mit dem guten Gott, die ich überhaupt nicht peile. Einmal angenommen alle Menschen würden nur Gutes tun und nicht ein Einziger würde seine von Gott gegebene Freiheit zum Schlechten mißbrauchen. Alle Menschen würden in Frieden und Eintracht als eine große Familie zusammenleben und unter ihnen wäre nur Freundschaft und Liebe. Meinst du, dann wären alle glücklich? Denn: Was ist mit all dem grausamen Zeug für das kein Mensch etwas kann, was ist mit AIDS und Krebs, mit Überschwemmungen und Erdbeben, mit Stürmen und Naturkatastrophen, mit Hungersnöten und Armut? Wie kann man da von einem guten und liebenden Gott sprechen?

Pfarrer:

Erster: Jetzt, glaube ich, sehe ich klarer. Ich soll also nicht wach bleiben, sondern soll mit offenen Augen durchs Leben gehen, und helfen, wo ich es vermag. Und Gott ist ein guter Gott, der mich immer annimmt, ganz gleich was ich getan habe, solange ich auf dem Weg bin, versuche ihn zu finden und Jesus Vorbild nachzueifern.

Ich hoffe, daß sich andere Menschen auch so entscheiden, denn dann kann ja nichts mehr schief gehen, wenn sich alle Menschen daran halten. Das ist zwar sicher ein Wunschtraum. Aber träumen gehört wohl auch ein bißchen zum Glauben und ohne diese Kreativität wäre wohl der Mensch nicht Mensch. Gott wollte uns diese Freiheit schenken, damit wir sie zum Guten benutzen und sie auch dort einsetzen, wo sie gebraucht wird; nicht im Krieg, sondern zu unserem Wohl und Heil. Dann glaube ich schon, daß dieser Gott gut ist.

 

Fürbitten

  • Laß uns erkennen, daß wir uns nur durch dich zum Guten verändern können.
  • Versuche du uns klar zu machen, was es heißt, für andere Menschen da zu sein, für sie zu sorgen und ihnen zu helfen.
  • Gib uns die Kraft, daß wir uns für die guten Grundsätze, die du uns immer wieder verkündest, einsetzen und danach leben.

Lied: Gabenlied

Lied: Sanktus

Lied: Friedenslied oder Vater unser

Schlußgebet (S. 148, BddS)

Heiliger Geist, dessen Stimme ich in den Winden vernehme und dessen Atem der ganzen Welt Atem spendet, höre mich!

Ich trete vor Dich hin als eines Deiner vielen Kinder. Ich bin klein und schwach. Ich bedarf Deiner Kraft und Weisheit. Laß mich in Schönheit wandeln und meine Augen immer den roten und purpurnen Sonnenuntergang schauen. Laß meine Hände die Dinge verehren, die Du gemacht hast, und meine Ohren die Stimme hören.

Schenke mir Weisheit, daß ich die Dinge, die Du uns gelehrt hast, und die Lehre, die du in jedem Blatt und jedem Felsen verborgen hast, erkennen möge.

Nicht um meinen Brüdern überlegen zu sein, suche ich Kraft, sondern um meinen größten Feind bekämpfen zu können – mich selbst.

Mache mich immer bereit, mir reinen Händen und geradem Blick zu dir zu kommen, damit mein Geist, wenn dereinst mein Leben verblaßt wie die untergehende Sonne, ohne Scham zu dir kommen möge.

 

Lied: Schlußlied