Frühschicht
Frühschicht am 16. Dezember 1999, 6:15 Uhr

 

Vorbereitung: CD-Player, Blaue Mappen, Gitarre, Kerze(n), Zettel, Stifte, Frühstück

 

Zum Empfang: ruhige Musik

Zur Einstimmung: PUR „Freunde“

 

Zu dieser frühen Stunde möchte ich euch ganz herzlich begrüßen. Ich freue mich, dass ihr es geschafft habt, so früh aus den Federn zu kommen.

Glück ist ein Gut, das wir besonders in der Weihnachtszeit suchen. Wir versuchen an Weihnachten sowohl Kinder als auch Erwachsene mit Geschenken glücklich zu machen. Doch Glück ist viel mehr als materielle Werte.

Glück ist

·      Übereinstimmung

·      Gleichklang

·      Wohlbefinden

·      Freude

·      Geborgenheit

·      Sorglosigkeit

·      Zufriedenheit

·      ja ganz einfach Glücklichkeit

 

Bevor wir uns dazu eine Geschichte anhören, möchten wir noch ein bißchen was singen:

 

Blaue Mappe 100: „Das Lied von diesem Tag“ (1.+2. Strophe)

 

,,Komm, wir finden einen Schatz"

 

Erzähler:     ,,Komm, kleiner Bär!" sagte der Tiger. ,,Komm, wir finden einen Schatz!" Sie gingen in den Wald, um Pilze zu sammeln. Sie fanden viele. Da sagte der kleine Tiger:

Tiger:     ,,Die Pilze verkaufen wir, und für das Geld kaufen wir uns ein festes Seil, eine Schaufel und zwei Eimer. Solche Sachen braucht man um einen Schatz auszugraben."

Erzähler:      Sie gruben ein sieben Meter tiefes Loch, eine Kiste mit Geld oder Gold aber fanden sie nicht. Einen glücklichen Maulwurf haben sie geweckt:

Maulwurf:     ,,Hallo! Wer gräbt denn hier so tief in der Erde?"

Tiger:     ,,Unten gräbt der Bär, und ich bin hier oben. Wir suchen das größte Glück der Erde."

Maulwurf:     ,,Das größte Glück der Erde kenne ich! Dafür braucht ihr euch doch nicht so anzustrengen! Das größte Glück ist, wenn man gut hören kann. Hört ihr, wie schön der Zaunkönig singt?"

Tiger:     ,,Nein, nein, wir suchen eine Kiste mit Gold und Geld!"

Maulwurf:     ,,Ach das, das findet ihr hier nicht. Ich kenne die dunkle Erde wie meine Hosentasche. Auf dieser Seite vom Fluß findet ihr keinen Schatz in der Erde, nur mich."

Erzähler:      Da hörten die beiden auf zu graben. Mit ihrem Boot ruderten sie über den Fluß. Da ruft ein Fisch:

Fisch:     ,,He, kleiner Bär und kleiner Tiger! Da schwimmt eine Flaschenpost. In der Flasche ist ein Zettel mit einer Landkarte. Auf der Landkarte ist eine Insel eingezeichnet, dort liegt in einer Höhle vergraben ein Schatz von Seeräubern, den könnt ihr euch holen. Fangt schnell die Flasche! Na, fangt schnell!"

Erzähler:      Zu spät. Die Flasche ist vorbei geschwommen. Futsch ist der Reichtum.

Fisch:     ,,Ja, ja, so schnell schwimmt das Glück vorbei! Richtig hören können, das ist ein Schatz. Schade, daß ihr nicht gehört habt!"

Erzähler:     Auf der anderen Seite vom Fluß fingen sie wieder an zu graben.
Nachdem sie lange vergeblich gearbeitet hatten, kam der Löwe und fragte:

Löwe:     ,,Was macht ihr da, Jungs?"

Tiger:     ,,Wir suchen einen Schatz!"

Löwe:     ,,Da könnt ihr euch freuen, daß ihr mich getroffen habt!"

Tiger:     ,,Sollen wir dir sagen, was das größte Glück der Erde ist?"

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Aktion: Unser größtes Glück

Sicherlich haben wir schon einmal darüber nachgedacht, was unser größtes Glück ist. Was macht uns so wie wir sind? Wer bestimmt unser Glück? Gibt es überhaupt etwas, das uns glücklich macht? Der Computer zuhause, das neueste Videospiel, Geld, ein teures und modernes Auto oder sind es eher die nicht materiellen Werte wie Freunde, Gemeinschaft, Liebe.

Ich möchte euch jetzt bitten, dass ihr das, was euch glücklich macht, auf einen Zettel schreibt und in der Mitte um die Kerze herumlegt. Wer will darf es auch vorlesen.

 

Zettel schreiben

 

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Löwe:     ,,Das weiß ich allein. Kraft und Mut haben, das ist ein Schatz. Soll ich mal mutig brüllen?"

Bär:     ,,Wir suchen einen anderen Schatz! Wir suchen eine Kiste mit Geld und Gold."

Löwe:     ,,Ach das! Das gibt es hier nicht! Damit können wir im wilden Wald nichts anfangen."

Erzähler:      Da hörten sie auf zu graben und gingen fünf Stunden bis zur anderen Seite vom großen Wald. Dann fingen sie wieder an zu graben. Ein verrücktes Huhn gackerte:

Huhn:     ,,Was macht ihr denn da?"

Bär:     ,,Wir finden hier einen Schatz: Gold und Geld!"

Huhn:     ,,Mein Bauer sagt, das Geld liegt auf der Straße. Und mein Bauer ist wirklich nicht dumm, sonst hätte er nicht so schöne Hühner wie mich!"

Tiger:     ,,Hast du gehört, kleiner Bär? Das Geld liegt auf der Straße. Komm, wir gehen auf die Straße, da brauchen wir nicht so schwer zu graben."

Erzähler:     Auf der Straße trafen sie einen Esel.

Esel:     ,,Na, wo wollt ihr denn hin?"

Tiger:     ,,Wir suchen das größte Glück der Erde."

Esel:     ,,Da habt ihr aber Glück, denn das suche ich auch. Ich weiß, wo es zu finden ist. Es liegt in der Ferne. Ihr könnt gleich mitkommen."

Erzähler:     Der Esel trug sie weit. Dann sind sie übers Meer gefahren. Als sie an Land gingen, nahm der Esel seine Koffer und reiste weiter, denn die Ferne ist niemals dort, wo man sich befindet. Deshalb finden auch so viele das Glück nicht, weil sie es immer dort suchen, wo sie nicht sind.

Bär:     ,,Wir bleiben hier! Wir suchen den Schatz im Meer!"

Erzähler:     Einen Schatz aber haben sie auch dort nicht gefunden. Keine Kiste mit Geld und Gold war zu finden. Wo sollten sie nun einen Schatz suchen? Wäre nicht ein großer Kranich gekommen und hätte sie übers Meer zurückgetragen, dann wären sie in der Fremde gestorben.

Bär:     ,,Tiger, warum gehst du so krumm?"

Tiger:     ,,Weil ich so unglücklich bin. Schade, daß wir keinen Schatz gefunden haben!"

Bär:     ,,Dann steig auf! Ich trage dich ein Stück!"

Erzähler:      So trug der eine den anderen, bis es Abend wurde. In der Nacht schliefen sie unter einem großen Baum, der goldene Äpfel trug. So ein Glück!

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Blaue Mappe 27: „Schaut nicht hinauf“ (1.+2. Strophe)

 

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Erzähler:     Der alte Uhu, der auf dem Baum saß, sagte:

Uhu:     ,,So ist das! Da laufen sie über die ganze Erde und suchen das Gold unten, und dabei ist es oben zu finden."

Erzähler:      Sie flochten Körbe und füllten sie mit goldenen Äpfeln.

Tiger:     ,,Der Korb ist so schwer! Trage mich bitte wieder, kleiner Bär!

Bär:     ,,Das geht nicht! Ich trage ja auch meinen Korb. Man kann immer nur eins tragen: einen Korb mit Gold oder seinen besten Freund."

Erzähler:     Dann gab es Streit, weil der Tiger meinte, er sei wichtiger als der Korb mit Gold. Sie prügelten sich. Da sagte der Zeisig im Gras:

Zeisig:     ,,Ihr Dummköpfe! Da prügelt jeder von euch seinen allerbesten Freund. Wenn euch das Gold gestohlen wird, dann habt ihr nichts mehr, nicht einmal mehr einen Freund. Oh, seid ihr dumm! Wer einen Freund hat, der hat doch den größten Schatz auf Erden gefunden!"

Erzähler:      In der Nacht haben sie sich wieder vertragen. Alles Gold wurde ihnen gestohlen. Nun hatten sie nichts mehr.

Bär:     ,,Warum gehst du so krumm, kleiner Tiger?"

Tiger:     ,,Ich bin so unglücklich, kleiner Bär!"

Bär:     ,,Dann steig auf, ich trage dich ein Stück unseres Weges."

Erzähler:     Abwechselnd trugen sie sich. Es gab keinen Streit mehr. Kein Korb drückte auf der Schulter, und niemand konnte ihnen etwas wegnehmen.

Bär:     ,,Tiger, ist das Leben schön! Bald sind wir zu Hause, dann werde ich dich verwöhnen. Schön wird es werden!"

Tiger:     ,,Du bist mein Schatz. Ich habe den größten Schatz gefunden! Ein treuer Freund ist viel mehr als Gold und Geld."

Erzähler:      Sie umarmten sich und waren glücklich. Der Bär flüsterte dem Tiger ins Ohr:

Bär:     ,,Du bist mein Goldschatz, mein goldiger Schatz!"

 

Nach Janosch: Komm, wir finden einen Schatz (Beltz-Verlag, Weinheim-Basel 21980)

 

-- kurze Pause --

 

,,Du bist mein Goldschatz", sagte der Bär zum Tiger. Die zwei haben verstanden, worum es im Leben geht, was wichtig ist. Wer Gold und Geld sucht, der verliert dabei oft gute Freunde. Eine gute Freundin oder einen guten Freund zu haben, das ist im Leben wichtig und wertvoll. Wer einen treuen Freund hat, der hat einen kostbaren Schatz gefunden. Von diesem Wert der Freundschaft spricht schon das Alte Testament, das Buch Jesus Sirach, ein altes Weisheitsbuch: ,,Ein treuer Freund ist ein kostbarer Schatz!" Das ist eine Weisheit, die uralt ist, eine Weisheit, die aber auch für uns heute noch wichtig ist, weil wir sie so leicht vergessen.

 

Blaue Mappe 89: „Ein Mensch mit dem ich rede“ (1.+2. Strophe)

 

Jesus Sirach 6,5-15:

 

(5)Sanfte Rede erwirbt viele Freunde,

freundliche Lippen sind willkommen.

Viele seien es, die dich grüßen,

dein Vertrauter aber sei nur einer aus tausend.

Willst du einen Freund gewinnen,

gewinne ihn durch Erprobung,

schenk ihm nicht zu schnell dein Vertrauen!

Mancher ist Freund je nach der Zeit,

am Tag der Not hält er nicht stand.

Mancher Freund wird zum Feind,

unter Schmähungen deckt er den Streit mit dir auf.

Mancher ist Freund als Gast am Tisch,

am Tag des Unheils ist er nicht zu finden.

In deinem Glück ist er eins mit dir,

in deinem Unglück trennt er sich von dir.

Trifft dich ein Unglück, wendet er sich gegen dich

und hält sich vor dir verborgen.

(13)...

(14)Ein treuer Freund ist wie ein festes Zelt;

wer einen solchen findet, hat einen Schatz gefunden.

Für einen treuen Freund gibt es keinen Preis,

nichts wiegt seinen Wert auf.

 

Vielleicht werdet ihr nachher S-Bahn oder U-Bahn fahren oder vielleicht auch sonst einmal ein paar Minuten haben, in denen ihr über diese Frühschicht ein bisschen nachdenkt. Als kleine Erinnerung und Nachdenkstütze möchte ich euch die Bibelstelle mitgeben.

 

Bevor wir uns jetzt dem leiblichen Wohl mit einem gemeinsamen Frühstück widmen, singen wir noch einen kleinen Kanon.

 

Blaue Mappe 145: „Einsam bist du klein“ (Kanon)